EQUAL

EQUAL

Ungleichheitseffekte von Interventionen zur Förderung der körperlichen Aktivität

Hintergrund

Soziale Ungleichheiten bei Gesundheit gelten als eine der zentralen Herausforderungen für Public Health. Als Priorität für Public Health-Interventionen wird die Verringerung derjenigen gesundheitlichen Ungleichheiten angesehen, die vermeid- oder veränderbar und demzufolge ungerecht sind. Studien haben gezeigt, dass die Prävalenz ausreichender körperlicher Aktivität, einer wichtigen Determinante von Gesundheit, in sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen geringer ist. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass populationsbasierte Präventionsstrategien lediglich sozial besser gestellte Personen erreichen und auf diese Weise zu einer Vergrößerung gesundheitlicher Ungleichheiten beitragen. Diese durch Interventionen induzierten oder verstärkten gesundheitlichen Ungleichheiten („intervention-generated inequalities“ (IGIs)) können an verschiedenen Punkten der Umsetzung einer Intervention auftreten. Daher sind zukünftig die Berücksichtigung sozialer Ungleichheiten bei der Entwicklung und Implementierung von Bewegungsförderungsprogrammen sowie die Evaluation möglicher Ungleichheitseffekte dieser Interventionen erforderlich. Um dies realisieren zu können, bedarf es einer Weiterentwicklung innovativer Methoden.

Ziel

Übergeordnetes Ziel des Teilprojekts EQUAL ist es, die Evidenzbasis für den Einfluss von primärpräventiven Interventionen zur Bewegungsförderung älterer Menschen auf soziale Ungleichheiten bei Gesundheit zu stärken. EQUAL trägt mit seiner Arbeit zum Erreichen des Schwerpunktziels des AEQUIPA-Präventionsforschungsnetzwerks hinsichtlich der Entwicklung neuer Ansätze zum besseren Verständnis und zum Monitoring des Einflusses von Interventionen auf gesundheitliche Chancengleichheit bei.

Ergebnisse der ersten Phase

EQUAL hat in der ersten Förderphase (02/2015 - 01/2018) die anderen AEQUIPA-Teilprojekte hinsichtlich der Berücksichtigung soziodemografischer und sozioökonomischer Merkmale bei der Datenerhebung und der soziokulturell sensiblen Gestaltung von Interventionen individuell bzw. in Form von Methodenworkshops beraten. Ersteres ist eine wichtige Voraussetzung dafür, die innerhalb von AEQUIPA umgesetzten Interventionen hinsichtlich möglicher Ungleichheitseffekte evaluieren zu können. Zudem wurde die derzeitige Evidenz zu Methoden für die soziokulturell sensible Entwicklung, Implementierung und Evaluation von Bewegungsinterventionen für ältere Menschen anhand publizierter wissenschaftlicher Literatur sowie Expert*inneninterviews zusammengefasst. Das systematische Review von bevölkerungsbezogenen Interventionen zur Bewegungsförderung für ältere Menschen hat ergeben, dass das Potential, Ungleichheitseffekte zu analysieren, bislang in vielen Evaluationen nicht ausgeschöpft wird (Lehne & Bolte 2017). Ergebnis der Expert*inneninterviews und Workshops ist eine Reihe von Empfehlungen zu soziokulturell sensiblen Strategien in der Gesundheitsförderung für ältere Menschen. Eine settingorientierte Vorgehensweise sowie partizipative Ansätze sind diesbezüglich als wesentliche Elemente anzusehen.

Lehne, G. & Bolte, G. 2017. Impact of universal interventions on social inequalities in physical activity among older adults: an equity-focused systematic review. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity, 14(1), 20.

Arbeitsprogramm der zweiten Phase

Noch innerhalb der ersten Förderphase des Projekts wurde mit der Entwicklung innovativer Methoden zur Abschätzung von Ungleichheitseffekten begonnen, die in den kommenden drei Jahren auf die im Rahmen des AEQUIPA-Präventionsforschungsnetzwerks durchgeführten Bewegungsinterventionen angewendet werden. Darüber hinaus ist eine internationale Kooperation zur gemeinsamen systematischen (Re-)Analyse von Ungleichheitseffekten weiterer Interventionsprojekte geplant. Ein weiterer Fokus des Projekts liegt auf der Analyse des Präventionspotentials von Bewegungsinterventionen für die ältere Bevölkerung in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung ihres zu erwartenden Einflusses auf soziale Ungleichheiten bei Gesundheit (vergleichbar mit den Ansätzen ‚health equity impact assessment‘ oder ‚health inequalities impact assessment‘). Diesbezüglich werden mittels eines Simulationstools Gesundheitseffekte von Verbesserungen im Bewegungsverhalten bei älteren Erwachsenen in Deutschland durch Interventionen quantifiziert (z.B. Veränderungen in der Lebenserwartung, in der Inzidenz und Prävalenz chronischer Erkrankungen) sowie Änderungen gesundheitlicher Ungleichheiten zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen ermittelt.

Beteiligte

Prof. Dr. Gabriele Bolte, MPH, Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) (Projektleitung)
Gesa Lehne, M.A., Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)
Prof. Dr. Stefan Lhachimi, MPP, MSc, Universität Bremen, Fachbereich 11 & Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS,
Forschungsgruppe Evidence-Based Public Health


Kontakt

Gesa Lehne
Telefon: 0421 218-68826
E-Mail: gesa.lehne(at)uni-bremen.de